25.06.08 16:26 Alter: 4 yrs
Münzing Chemie GmbH, Heilbronn/Deutschland - Fachartikel: Leitsystem-Migrationsprojekt
Systemwechsel - ProLeiT migriert bei Münzing Chemie GmbH PC S7 nach Plant iT ohne Austausch der Hardware allein durch Austausch der Software
Das Leitsystem der Münzing Chemie GmbH in Heilbronn war am Ende seiner Kapazität. Obwohl erst 1997 installiert, konnten die sechs Steuerungen vom Typ S7-400 mit PCS7 als Leitsystem keine zusätzlichen Funktionen mehr aufnehmen, die lizenzierte Anzahl an Variablen war bereits überschritten. Für eine geplante Erweiterung hatte der Systemhersteller eine neue Version des PCS7 Leitsystems, sowie ein Hardware- Upgrade der S7-CPUs vom Typ 416 auf den Typ 417 angeboten. Als Alternative hierzu bot sich ProLeiT an, die allein durch den Ersatz der Software Raum für Erweiterungen schuf, die Basis für Batch-Funktionalität legte und den gesamten Umschluss nach kurzer Projektierung mit nur sieben Tagen Stillstand abschloss.Die Münzing Chemie GmbH mit ihrem Hauptsitz in Heilbronn und Tochterfirmen in Italien, Spanien, Belgien und den USA stellt Additive für Farben, die Metallbearbeitung und die Bauchemie sowie Spezialprodukte für die Lederveredelung und die Papierindustrie her. Das Unternehmen hatte 1997 begonnen, seine Produktion in Heilbronn zu automatisieren und wollte die Anlage erweitern. Dies konnte jedoch nicht wie geplant verwirklicht werden, denn mit dem bestehenden PCS7 – System in der Version V 4.0 war dies aus mehreren Gründen nicht möglich: Die Lizenz für die Anzahl an Variablen war bereits überschritten und der Hersteller übernahm keine Garantie für einen weiteren reibungslosen Betrieb. Weiterhin war die installierte Version nicht mehr „update-fähig“, damit eine komplett neue Version notwendig. Darüber hinaus hätten die 416-er CPUs der unterlagerten S7 Steuerungen durch den Typ 417 ersetzt werden müssen.Als ProLeiT im August 2005 den Auftrag zur Migration dieser Anlage auf das hauseigene System Plant iT erhielt, war das primäre Ziel, die bestehende Funktionalität 1:1 umzusetzen sowie kleinere Erweiterungen einzupflegen. Zusätzlich sollte die Bedienbarkeit erleichtert, sowie mehr Übersichtlichkeit in die Visualisierung gebracht werden. Zum Einsatz kamen die Module Direct iT, für die Prozessleitfunktionen, und Aquis iT, für das Produktions-datenmanagement. Das sekundäre Ziel war, das System auf die Installation des Moduls Batch iT mit integrierter Materialwirtschaft und Auftragsverwaltung vorzubereiten und so eine Batch-Fahrweise der Anlage zu ermöglichen. Damit wurde auch die Basis gelegt, in der Zukunft Produktionsaufträge vom betrieblichen SAP-System zu übernehmen und diese direkt in die Auftragsverwaltung des Batch -Systems einzulasten.
Bereits im Vorfeld, nach einer umfassenden Istbestandsaufnahme, sicherte ProLeiT zu, dass die geforderten Funktionalitäten auf der vorhandenen Hardware realisiert werden können. Allein der ohnehin geplante Tausch der Kommunikations-Prozessoren in den Steuerungen, bedingt durch den notwendigen Wechsel des Ethernet-Übertragungungsprotokolls von H1 auf TCP/IP, wurde durchgeführt. Aus Verfügbarkeitsgründen wurde auch die Hardware der Rechner für die sechs installierten Ex-Terminals erneuert. Drei Ex-Terminals, fünf Bedienstationen sowie der Server für die gesamte Bedienebene kamen neu hinzu.
Nach der Neuerstellung der Applikationssoftware als 1:1 Umsetzung der bestehenden Funktionalität konnte diese ohne Probleme in die vorhandenen Steuerungen geladen werden. Lediglich die Prozessbilder wurden überarbeitet und ihre Anzahl verringert. Dies führte zu einer vereinfachten Bedienung und brachte mehr Transparenz und Übersicht.
Positiv bei Plant iT wurde auch aufgenommen, dass Änderungen und Erweiterungen weitgehend online möglich sind, ohne die gesamte Anlage oder zumindest die betroffene unterlagerte Steuerung stillzulegen.
Eine weiterer wichtiger Aspekt der Entscheidung für Plant iT war, dass das System – auch später bei der geplanten Rezeptursteuerung mit Batch iT- nach einem Stromausfall oder Not-Aus automatisch wieder an der Stelle im Ablauf fortfährt, in dem es sich vorher befunden hatte.
Die Anlagenautomatisierung erhielt allein durch den Austausch der Software eine bessere Funktionalität und Bedienbarkeit. Darüber hinaus bleibt sie erweiterbar, was seinen ausschließlichen Grund in den unterschiedlichen Strukturen der Anwendersoftware zwischen PCS7 und Plant iT und dem daraus resultierenden Platzbedarf im Speicher hat.
Die eigentliche Herausforderung in diesem Projekt waren der Umfang mit sechs großen Steuerungen sowie die zur Verfügung stehende Zeit für die Neuprojektierung und der Inbetriebnahme. Für die Umsetzung wurden vier Monate benötigt, die Inbetriebnahme erfolgte in den letzten Tagen des Dezembers 2005, mit einer Unterbrechung während der Weihnachts-Feiertage. Dipl.-Ing. Peter Krawczyk, Leiter Ingenieurwesen bei Münzing und Projektleiter des Auftraggebers, fasst zusammen: „Alle Bedenken, ob der Umfang des Projektes in dieser kurzen Zeit zu bewältigen ist, waren nach der erfolgreichen Inbetriebnahme verflogen.“
Bei der Umsetzung des Projektes wurde sowohl durch die klare Struktur der ProLeiT-Software als auch durch eine gelungene Mischung von Projektbearbeitern mit einer verfahrenstechnischen und solchen mit einer elektrotechnischen Ausbildung viel Zeit gewonnen. Noch einmal Krawczyk: „Die Zusammenarbeit war zu jedem Zeitpunkt, also vor, während und nach der Inbetriebnahme sehr kooperativ und professionell. Wir planen bereits die Integration weiterer, noch nicht automatisierter Produktionsbereiche am Standort Heilbronn in das ProLeiT-System“.